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Rotary Distrikt 1860 - Konferenz 2005

Deutschland

am 10. und 11.06.2005 in Landstuhl

Rotary D.1860

Medien und Wissenschaft

Zweckbündnis oder Partnerschaft im Dienste der Gesellschaft ?

Prof. Dr. Christian Floto, Universität Göttingen


Christian FlotoDr. Christian Floto

In seinem hochinteressanten Festvortrag fragte der Mediziner und Medienwissenschaftler nach den Wechselbeziehungen zwischen Wissenschaft und Medien. Wie die Darstellung in den Medien die Wahrnehmung des Menschen beeinflusst, zeigte er am Beispiel der berühmten Mona Lisa, deren Bild - nur leicht verändert - ganz unterschiedlich wirkt.

Floto zitierte den Physiker Helmholtz: die Macht der Bilder überwältigt den Verstand. Anhand zahlreicher Beispiele demonstrierte der Redner, wie Inhalte sinnvoll visualisiert werden können. Bilder erzeugen Aufmerksamkeit, sie fördern das Behalten und Erinnern. So werde Lernen effizient, und so würden komplexe Inhalte verständlich vermittelt. Der normale Zuschauer könne auf diese Weise am Wissens- und Erkenntnisgewinn teilhaben.

Wie Medien sinnvoll verwaltet und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, demonstrierte Floto am Beispiel der Online-Mediathek des von ihm geleiteten IWF. Beispiele aus dem umfangreichen Angebot zeigen, wie unterschiedliche Inhalte mit unterschiedlichen Mitteln angemessen wiedergegeben können. Allen voran nutzen vor allem die Geowissenschaften Medien, um komplexes Wissen anschaulich dazustellen.

In den öffentlichen Massenmedien gibt es nur wenige wissenschaftliche Sendungen. Floto vergleicht "Abenteuer Wissen" (ZDF), "BBC Exklusiv" (Vox) und "Quarks & Co" (WDR). Der Themenschwerpunkt aller Sendereihen liegt auf der Natur. Während "Quarks & Co" Naturwissenschaften und Medizin an zweiter und dritter Stelle stehen hat, widmet sich "Abenteuer Wissen" eher Technologie- und Umweltthemen. "BBC Exklusiv" widmet sich als einzige Reihe besonders engagiert den Sozialwissenschaften.

Medien können auch täuschen. „Die Medien als wichtigste Informationsverbreiter tragen dazu bei, die Menschen über die tatsächlichen Gefahren im unklaren zu lassen – was gesund ist und was krank macht, scheint in Deutschland weniger die Wissenschaft, als vielmehr die veröffentlichte Meinung zu bestimmen“ zitiert Floto einen Vortrag Andreas von Tiedemanns im RC Göttingen. An den Beispielen BSE und Lebensmittelrückstände zeigt Floto, dass öffentliche Wahrnehmung und tatsächlich nachgewiesene Risiken (Über- und Fehlernährung, natürliche Gifte) manchmal eklatant auseinanderklaffen.

Dies ist auch ein Ergebnis der heutigen Medienlandschaft. Durch das Schielen nach der Quote nimmt die Unterscheidbarkeit der Programme ab. Öffentlich-rechtliche und private Systeme der Massenmedien gleichen sich immer mehr einander an. Der Return on Invest, so Floto, werde wichtiger als der Return on Educiation. Erschwerend herrsche im bundesdeutschen Föderalismus ein Kirchturmdenken vor. Gerade die hochsubventionierten öffentlich-rechtlichen Anstalten setzten zu wenig auf Bildung und zuviel auf Quote. "Breite in der Bildung ist gefordert, nicht Wetten aus der Türkei", provozierte Floto, der sieben Jahre lang das "Gesundheitsmagazin Praxis" leitete. Um das zu erleichtern, forderte er - wie bei der BBC üblich - eine freie Nutzung der Inhalte für private Zwecke.

Floto schloss seinen Vortrag mit dem Appell, eine Partnerschaft von Medien und Wissenschaft aufzubauen und zu vertiefen. Es gelte, Visualisierung und Narration und Inhalte zusammenzubringen.

[Vortragsfolien als PDF]
Aus rechtlichen Gründen können wir die gezeigten Beispiele hier nicht wiedergeben. Bitte haben Sie dafür Verständnis.

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