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Migrationsforscher Dr. Dieter Oberndörfer sprach beim Symposium des Rotary-Clubs Simmern
über Probleme der Integration von Ausländern.
Mehrere Kulturen können ohne Schwierigkeiten miteinander leben. So lautete die Kernbotschaft
des Symposiums in der Hunsrückhalle vor dem Hintergrund der Integration von Aussiedlern im
Rhein-Hunsrück-Kreis.
SIMMERN. Migration und Intergration von Ausländern insbesondere von Aussiedlern im Rhein-Hunsrück-Kreis. Zu diesem Thema fand am Samstag in der Hunsrückhalle ein Symposium statt. Dazu eingeladen hatten der Rotary-Club Simmern unter der Führung von Präsident Willy Thiepold und stellvertretend für den Kreis Landrat Bertram Fleck. Thiepold, der im eigenen Betrieb die Probleme von Ausländern und Aussiedlern miterlebte, hatte die Idee zu diesem Forum. Bertram Fleck wie auch sein Mitarbeiter Wolfgang Stemann vom Referat Sozialplanung stellten die Kontakte zum Netzwerk im Kreis von fast zwanzig Institutionen, die alle in ihrer Praxis mit integrativer Arbeit betraut sind, her.
Für die Besucher des
Symposiums bot sich im Foyer der Hunsrückhalle die Möglichkeit, in einer Ausstellung und
im Gespräch mit den sozialen Dienstleistern genaue Eindrücke in ihre Arbeit zu sammeln.
Im Anschluss fand ein Vortrag mit Diskussion statt, für den Prof. Dr. Dieter Oberndörfer
von der Universität Freiburg und Vorsitzender des deutschen Rates für Migration gewonnen
werden konnte. Oberndörfer, einer der führenden Migrationsforscher Deutschlands und
Berater der Bundesregierung in Migrations- und Integrationsfragen, bezog in seinem Vortrag
"Zuwanderung nach Deutschland - Deutschland ein Einwanderungsland?" genau Stellung. Er
stellte fest, dass zwölf von einhundert in Deutschland lebenden Menschen im Ausland geboren
sind, und die Bundesrepublik somit einen höheren Einwandereranteil hat als beispielsweise die
USA. Bis 1973 waren Einwanderer herzlich willkommen, doch mit der Krise der alten Industrie kam es
zu einer zunehmenden Konkurrenz zwischen heimischen und ausländischen Arbeitskräften und
die Akzeptanz der Öffentlichkeit gegenüber Einwanderern nahm immer mehr ab. Diese
Abwehrhaltung habe sich bis heute gehalten und auch die Bundesregierungsetze in der
Ausländerpolitik auf die Begrenzung.
In Berechnungen der UNO und des Innenministeriums hat sich herausgestellt, dass bei derzeitigen Bedingungen im Jahr 2050 die Bevölkerungszahl Deutschlands von 82 Millionen auf 58 Millionen zurückgegangen sein wird. 60 Prozent der Bevölkerung werden davon über 50 Jahre und älter sein. Um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, müsste die Geburtenrate im Schnitt pro Frau bei 2,1 Kindern liegen. Derzeit liegt sie jedoch nur bei 1,3 Kindern, so dass aus der bisherigen Bevölkerungspyramide bis 2050 ein Bevölkerungspilz entstanden sein wird.
Für Oberdörfer ist klar, dass nach dem Beispiel Frankreichs und Skandinaviens eine innovative, kinderfreundliche Familien- und Geburtenpolitik geschaffen werden muss, da sonst alle Sicherungssysteme wie Rente und Gesundheitsversorgung zu Grunde gehen werden. In der Zuwanderung sieht er daher den nötigen Puffer, der dieses Szenario der Bevölkerungsschrumpfung stoppt, bis die neue Geburtenpolitik greift.
Auf der anderen Seite der Migration steht aber auch die Integration. Hier stellten sich nun immer mehr Bürger die Frage, wieso sollen immer mehr Menschen zuwandern, wenn sie sich nicht intergrieren lassen wollen? Dazu, so Oberndörfer, müsse der Integrationsbegriff erst geklärt werden, da es keine genau Definition und meist auch sehr unterschiedliche Vorstellungen von Integration gibt. Eine Art Assimilation oder Einschmelzung in die bestehende Gesellschaft stellen sich viele Deutsche unter dem Begriff Integration vor. Oberdörfer sieht das oberste Ziel in der politischen Integration, d.h. einer Identifizierung mit der bestehenden politischen Ordnung durch die Einwanderer. Auf der anderen Seite müsse aber auch eine Akzeptanz durch die Aufnahemgesellschaft vorhanden sein.
Die moderne Gesellschaft bestehe aus einer Vielzahl von Parallelgesellschaften, so dass wir heute lernen müssten, mit Pluralitäten zu leben. Nur wenn das Nebeneinander von Pluralitäten zur Selbstverstandlichkeit bei der Aufnahmegesellschaft werde, so Oberdörfer, könnten aus Zuwanderern Patrioten werden, die dann in der Gesellschaft voll integriert sind. (nm)
Quelle: Rhein-Hunsrück-Zeitung, 04.11.02
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